Berlin : Von Tag zu Tag: Im Nachtverkehr

Bernd Matthies

Schade, dass die Berlinale vorbei ist: Dieser Film hätte noch hinein gepasst:Nacht, schwüle Musik. Die Champagnergläser sind halb geleert, erotische Verwicklungen unausweichlich. Küsse, Annäherungen, die ersten Kleidungsstücke werden gelockert. Er lüpft den Pullover, sie lüpft den Pullover, beide betrachten ihre T-Shirts. Sie: "Was steht denn da? Durchgehender Nachtverkehr? Sowas Blödes." Er: " Und da? Zurückbleiben bitte? Ist ja noch blöder." Ende des Abends. Ja, so zerfiel, was eine schöne Liebesgeschichte hätte werden können, an falscher Kleidung. Und wer hat sie erfunden? Die BVG, deren Bekleidungskollektion uns seit geraumer Zeit wegen ihres erotomanen Altherrenhumors mit Unruhe erfüllt.

Unterhosen heißen, pruust!, "Gleisdreieck" und, bruuuuah!, "Krumme Lanke", und gibt es eigentlich auch schon, kicher, einen supersexy "Funkturm"? Nun also T-Shirts. Man mag die Namen kaum hinschreiben, weil immer wieder Orkane unbeschreiblichen Lachens die Redaktion durcheilen. "Pufferküsser" auf dem Busen, schnief, iiih, ist das komisch! "Durchgehender Nachtverkehr", glucks, na ja, da ist natürlich der Clou verpasst worden, Nacktverkehr, bruha, müssen wir der BVG unbedingt vorschlagen!

Was werden Kunden, die es nicht so mit dem spießigen Ballermann-Humor haben, daraus fü r Schlüsse auf das ganze Unternehmen ziehen? Es sollte öffentlichen und privaten Nachtverkehr wohl doch lieber voneinander getrennt halten.

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben