Berlin : Von Tag zu Tag: Im Namen der Liebe

Andreas Conrad

Nikolaus und Weihnachtsmann, der eine mit Knecht Ruprecht, der andere mit Rudolph, dem rotnasigen Rentier, unterwegs, mögen einiges an Jahren auf dem Buckel haben. Auf den Kopf gefallen sind sie nicht, trotz jahrhundertelangen Slaloms um verrußte Schornsteine. Nie und nimmer kämen die zwei Kapuzenmänner auf die Idee, ihre vorweihnachtlichen Flugreisen als Demonstration im Sinne des Versammlungsrechts zu deklarieren, gewidmet der "Nächstenliebe und Anteilnahme mit sozial schwachen Mitbürgern", also gewissermassen als Love Parade zum Jahresende.

Sie hätten auch, gestehen wir es uns ein, nicht die geringste juristische Chance. Vorbei die Zeiten, als noch Fallobst und Pflanzensamen - "Apfel, Nuss und Mandelkern" - die Spitze kindlicher Träume darstellten. Längst sind des Abends am Kamin aufgehängte Söckchen viel zu klein, um die Flut aus Teletubbies, Pokemonstern, Tomb Raidern und ähnlichen Gesellen aufzunehmen. Nicht zu vergessen die dickleibigen Zauberer-Bücher und sperrigen Playstations, ohne die ein Gabentisch seinen Namen heutzutage doch nicht mehr wert ist.

Also lass auch du dir, liebes Christkind, es gesagt sein: Weihnachten ist heutzutage zuerst einmal Dienst am Markt, nicht am Menschen. Und wenn deine väterlichen Kollegen in ihren roten Mänteln morgen an der Gedächtniskirche vorbeischweben und sich angesichts der beiden dort geparkten roten Trucks mit dem bekannten weißen Firmenlogo an den Slogan "Mach mal Pause, trink Coca Cola" erinnern und zur Flasche greifen, sollten sie nie vergessen: Alles nur Reklame!

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