Berlin : Von Tag zu Tag: In der Warteschleife

Andreas Conrad

Das endlose Warten ohne Sinn gilt als typisch vor allem für den Berufszweig des Militärs. "Die meiste Zeit seines Lebens wartet der Soldat vergebens, und in der übrigen Zeit ist er marschbereit" - das wussten schon unsere Ahnen und machten sich ihren Reim darauf. Dieses professionelle Warten hat seine Auswirkungen auf andere Erwerbstätige, die mit den wartenden Kommissköppen in Kontakt treten, wir denken da an die Zunft der Kriegsberichterstatter.

Aber das sind Sonderprobleme. An dieser Stelle geht es nur um das zivile Warten, das - so ergänzen wir gerechterweise - durchaus süße zivile Warten, zu dem Eistüten geboten werden, Kuchen auch in Hülle und Fülle, dazu ein Clown, der "nur hier, nur heute, nur für Sie" auftritt, gefolgt von einer feurigen Brasilianerin mit vielen Federn, die braucht sie zum Tanzen, jeder versteht das.

Diese Zeilen torkeln so dahin, finden Sie? Sie haben kein rechtes Ziel, jedenfalls kein erkennbares? Sie haben eigentlich keine Lust mehr zu warten, bleiben nur noch aus Pflichtgefühl bei der Lektüre, haben an sich gar keine Zeit? Nun, warum sollte es Ihnen besser ergehen als uns, die wir gemeinsam mit vielen Kollegen informationshungrig die gestrige Pressekonferenz zur "Langen Nacht der Museen" aufsuchten, um uns zu sättigen an mitteilenswerten Details über diesen oder jenen musealen Leckerbissen. Doch dann bekamen wir eigentlich nur Eis in Tüten, Kaffee und Kuchen, einen Clown samt Tänzerin und andere schöne Dinge. Sogar die Kultursenatorin hatte Zeit zu diesem überraschenden Gartenfest gefunden und ließ es sich munden. Sollten Sie in diesem Zeitungsexemplar also irgendwelche Kuchenkrümel entdecken, seien Sie nachsichtig. Manches Warten ist nur mit Kalorienbomben zu ertragen.

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