Von Tag zu Tag : In die Zitadelle

Bernd Matthies über eine neue Spandauer Besonderheit

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Wir fahren nach Berlin, sagen die Spandauer, wenn sie in die Stadt wollen. Dort draußen ticken die Uhren anders, dort will man der künftigen Berliner Senatskoalition einen Spandauer Sonderweg entgegensetzen, einen SPD-Bürgermeister von einer rotgrün-links-piratischen Kuschelgemeinschaft wählen lassen.

Das ist legitim, nur hat es in zwei Wahlgängen nicht funktioniert. Als die CDU, ebenfalls legitim, gleich fröhlich noch mal wählen lassen wollte, ging das plötzlich nicht mehr, weil die meisten Kollegen vom anderen Lager einfach untergetaucht waren und damit gezielt Beschlussunfähigkeit erzeugt hatten.

Auch das ist vermutlich legitim, demokratisch ist es nicht. Denn es kann ja eigentlich nur darum gehen, jene Bezirksverordneten, die sich der Wahl verweigert haben, zu finden, ihnen ausführlich und in Ruhe die Folterwerkzeuge zu zeigen und das Hohe Lied des Kandidaten Kleebank zu singen, der in Spandau offenbar weltberühmt ist.

Weltberühmt ist auch die Spandauer Zitadelle. Wir sollten drauf achten, ob aus ihren Kellern in den nächsten Tagen laute Schmerzensschreie dringen. (Seite 17)

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