Von Tag zu Tag : Ja und Amen

Stephan Wiehler klärt über den evangelischen Freiheitsbegriff auf

Selten hat man die beiden christlichen Amtskirchen so kämpferisch erlebt, wie in den vergangenen Wochen in ihrem Engagement für das Volksbegehren Pro Reli. Im Bemühen, dem Religionsunterricht an Berlins Schulen mehr Geltung zu verschaffen, wurde schweres rhetorisches Geschütz aufgefahren. Die Freiheit wurde beschworen, genauer die Wahlfreiheit, nicht nur der Schüler, sondern aller Bürger, die demnächst zum Volksentscheid aufgerufen sind.

Gemeinsam mit seinem katholischen Amtskollegen stellte sich der evangelische Landesbischof Wolfgang Huber an die Spitze einer selbst ernannten demokratischen Freiheitsbewegung. In den eigenen Reihen zeigt sich der Bischof jedoch weniger freiheitsliebend. Wer sich, wie der Pfarrer des Französischen Doms, Stephan Frielinghaus, der kircheninternen Minderheit „Christen pro Ethik“ zugehörig fühlt, wird kurzerhand zum „Dienstgespräch“ geladen – und auf Linie gebracht. Christliche Freiheit, daran hat Huber kürzlich erst die deutschen Unternehmer erinnert, ist eben ohne Verantwortung nicht denkbar. Vor Gott – und vor dem Bischof.

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