Von Tag zu Tag : Kassenkampf

Stephan Wiehler findet im Trennenden das Gemeinsame.

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Auf der Friedrichstraße ist zu besichtigen, dass sich mit einer Mauer in Berlin immer noch Aufsehen erregen lässt. Die zwölf Meter breite und fünf Meter hohe „Peace Wall“, die eine Aktionskünstlerin nahe der ehemaligen Sektorengrenze errichtet hat, stört den Frieden im Kiez. Anwohner und Gewerbetreibende fordern die vorzeitige Beseitigung des temporären Kunstwerks. Bemerkenswert daran ist, dass sich über das Trennende hinweg eine Allianz höchst unterschiedlicher Interessengruppen und Motivlagen gebildet hat. Die unten, am südlichen Ende der Straße, sprechen von einer „politisch instinktlosen Entscheidung, das Ghetto Mehringplatz abzuriegeln“. Die oben, im Norden, sehen in der Mauer ein lästiges Verkehrshindernis und beklagen Umsatzeinbußen, weil die Kunden nicht mehr kommen. Die Kaufkraft im vermeintlichen Elendsquartier des Südens ist offenbar groß genug, um im Norden Kasse zu machen. Stellt sich die Frage, was zuerst da war: Die Mauer oder die soziale Spaltung der Straße. Spätestens zum Ende der Biennale Anfang Juli ist die Mauer wieder weg. Und der Markt in der Friedrichstraße hoffentlich wieder im Gleichgewicht. (Seite 17)

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