Von Tag zu Tag : Kassensturz

Gerd Nowakowski erinnert daran, was die Tempodrom-Affäre Berlin kostete

Es war die schwerste Krise der rot-roten Koalition; für den Bausenator und SPD-Landesvorsitzenden Peter Strieder bedeutete das Tempodrom 2004 das Ende seiner politischen Karriere. Zusammengerechnet hat noch niemand, wie viele Millionen das Land Berlin am Ende der Bau des Betonzeltes gekostet hat, den die Initiatoren mit besten Absichten begannen, bevor sie im Strudel der explodierenden Kosten und eines omnipräsenten Senators untergingen, der sein Lieblingsprojekt mit aller Macht durchsetzen wollte: Die Ausfälle durch Kredite, Bürgschaften oder einen Sponsoringvertrag summieren sich wohl auf rund 20 Millionen Euro. Ein Lehrstück über politische Blindheit und arrogante Ignoranz der Macher – damals aufgedeckt durch die Recherchen des Tagesspiegels. Jetzt hat die Stadt einen attraktiven und spektakulären Veranstaltungsort, der Überschüsse abwirft – und zum Schnäppchenpreis von kaum mehr als drei Millionen Euro zu haben war. Ende der Affäre.

Weil aber in Berlin immer alles mit allem zu tun hat, eine kleine Nachbemerkung: Die Zwangsversteigerung betrieb jetzt die Landesbank, die früher Akteur des Berliner Bankenskandals war, inzwischen längst privatisiert ist, und den Tempodrom-Kredit einst auf Druck der Landespolitik lockermachte. Und Ex-Senator Strieder ist erfolgreicher Unternehmensberater im Immobiliensektor, der seine politischen Kontakte nicht versteckt.

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