Von Tag zu Tag : Kein Strich

Bernd Matthies blickt dem Bundespräsidenten über die Schulter

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Staatsbesuch! Goldenes Buch! Da sollten wir als Stadtfußvolk schon ein paar Ansprüche stellen, wenn der neue Bundespräsident kommt. Was könnte er hineinschreiben? „Ich bin ein Berliner“? Können wir von einem eingefleischten Hannoveraner nicht verlangen. „Nur ein paar Zeilen für mich, aber ein großes Geschenk für die Hauptstadt“? Klingt ziemlich eingebildet. Es bliebe immer noch das Repertoire der Poesiealbum-Klassiker: „Dieser dicke Strich erinnert dich an mich!“

Doch was ist passiert? Der Präsident hat sich, cool bis in die Haarspitzen, vor die große weiße Seite gestellt, hat den Goldenes-Buch-Füller ergriffen und einfach „Christian Wulff“ hingeschrieben. Sagt unser verlässlicher Augenzeuge. Was kann das bedeuten?

Möglich, dass Wulff dem üblichen Gästebuch-Reflex gefolgt ist: Meine Frau macht das schon. Möglich auch, dass Präsidenten überhaupt keine Texte in Goldene Bücher schreiben, sondern dies dem Kalligraphen überlassen, der ihnen Tag und Nacht nacheilt. Oder, dass ein Berater gesagt hat: „Schreib denen gar nix rein, die meckern sonst nur rum.“ Was hiermit also trotzdem geschehen ist. (Seite 10)

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