Von Tag zu Tag : Kellerkind

Andreas Conrad hat sich den Berliner Bären anders vorgestellt

Andreas Conrad

Unter der dünnen Decke der Zivilisation liegt die Wildnis verborgen, gerade in Berlin ist das bekannt. „Mal sehen, was im ,Dschungel’ läuft“, nahmen sich schon Anfang der Achtziger Annette Humpe und „Ideal“ Abend für Abend vor, haben dabei aber gewiss nicht an einen vagabundierenden Waschbären gedacht. Obwohl, an sich ist er sesshaft, im Keller des „Park Inn“-Hochhauses am Alexanderplatz, und offenbar auch ein friedfertiger Gesell, kein Problembär wie Bruno, kein Halbstarker wie Knut – und vor allem: kein Rabiator wie King Kong, gottlob. Der war zwar bekanntlich ein Affe, aber das wäre einem Bären, wenn er mal richtig durchdreht, ziemlich schnuppe. Kein Waschzwang könnte ihn noch bremsen, kein leckeres Täubchen, das vor seiner Schnauze aufflattert, ihn davon abhalten zu randalieren, Schläuche zu durchbeißen, sich in die Locken argloser Blondinen zu verkrallen, denn um sie sich einfach zu schnappen, mit ihnen das Dach des „Park Inn“ zu erklimmen, womöglich die Spielbank zu sprengen – dafür ist solch ein Bär leider zu klein.

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