Von Tag zu Tag : Kiez-Koalition

Lothar Heinke wundert sich über einen neuen Mieterschutzbund namens CDU

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Der Wahlkampf ist unten angekommen, in den Kiezen, wo die Stimmen wohnen. Dort bilden sich seltsame Bündnisse, wenn Linke und CDU gemeinsame Sache machen. Beide fordern auf einer Bürgerversammlung, endlich den Anwohnern in der Wilhelmstraße zu helfen. Die fühlen sich in ihren Edelplatten-Häusern nicht mehr sicher, weil die meisten Wohnungen zu Hotelzimmern ohne Brand- und Lärmschutz wurden – und damit auch dem Wohnungsmarkt entzogen sind. Die CDU zeigt auf Plakaten die Häuser, Motto: „Jede Stimme für die CDU ist eine Stimme gegen die zweckentfremdende Nutzung von Wohnraum.“ Nanu? CDU contra Berlin-Tourismus? Gegen privatwirtschaftliche Interessen? Ganz so ist das wohl nicht gemeint, es ist mehr Stimmenfang rund um eine „Zweckentfremdungsverbotsverordnung“, bei der die Politik aus Angst vor juristischen Winkelzügen rasche robuste Entscheidungen auf die lange Bank schiebt. Dem Wutbürger Wilhelmstraße reicht’s. Er verlangt, sofort eine Betriebsverordnung für Beherbergungsbetriebe anzuwenden. Besser wäre: Wohnungen als das zu vermieten, was sie sind. Wohnungen eben.

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