Berlin : Von Tag zu Tag: Konzerthaus? Nein!

Ekkehard Schwerk

Dem Senat von Berlin beliebte es, die Berliner und deren Gäste für dumm zu verkaufen. Er hat stiekum beschlossen, das Schinkelsche "Schauspielhaus / Konzerthaus am Gendarmenmarkt" umzubenennen in "Konzerthaus Berlin / Schauspielhaus am Gendarmenmarkt". Der erste "Konzerthaus"-Zusatz war schon ein Bubenstück gleich nach der Wende. Und nun hören Sie sich an, wie der Senat seinen allerjüngsten "Konzerthaus"-Aberwitz zu rechtfertigen versucht. Es liege ein "umfassendes Fundraising-Konzept" vor, also eines, wonach man Gönner für Konzerte gewinnen will. Und man setzt zum Beispiel Dietrich Fischer-Dieskau und Marcel Reich-Ranicki als "prominente Persönlichkeiten" rittlings auf einen "weißen Schimmel", auf dass diese "marktstrategisch" lospreschen für eine "bessere Platzierung des Konzerthauses im lokalen, aber auch internationalen Wettbewerb". Die "Funktion des Hauses" als Stätte der Musik ist den Funktionären nicht deutlich genug. Dabei wird seit anderthalb Jahrzehnten im Schauspielhaus nur musiziert.

Es gibt, was die Verpackungsstrategen im Senat nicht zu begreifen vermögen, einen Bürgeranspruch auf eingebürgerte Begriffe, über die nur Begriffsstutzige stolpern. Im Schauspielhaus hat nie jemand an der Kasse nach einem Schauspiel nachgefragt, nur nach Konzertkarten. Das hat sich weltweit herumgesprochen. Und das Reichstagsgebäude ist Sitz des Bundestages. Und den Funkturm nennen wir Funkturm, obgleich er schon lange nicht mehr als solcher funktioniert. Und den Kulturfunktionären sollte Bürgertrotz das "Konzerthaus"-Theater vermasseln, indem wir das Schauspielhaus weiter Schauspielhaus nennen. Die Medien sollten da, bitte schön, mitspielen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben