Von Tag zu Tag : Kreuzgefährlich

Gerd Nowakowski fragt sich, ob Gebete in der Schule helfen

Von Tag zu Tag xtc HP mit Kontur

Das ist keine Glaubensfrage mehr: Ein Weddinger Gymnasium muss einen Betraum für einen muslimischen Schüler einrichten. Für einige ist das eine konsequente Umsetzung der Religionsfreiheit, für andere ein Tabubruch – gerade in Berlin, wo es kein ordentliches Fach Religion gibt, wie die Volksabstimmung zu Pro Reli bestätigte. Wird nun eine tragende Wand unserer säkularen Gesellschaft eingerissen, oder kann man das gelassener sehen: Was spricht dagegen, einen Schüler beten zu lassen, wenn die Schule dafür Platz hat, solange sie nicht neue Räumlichkeiten dafür errichten muss? Aber ist nicht zu befürchten, dass Druck auf andere Schüler ausgeübt wird und am Ende ein multikonfessionelles Bethaus mit angeschlossener Schule steht? Mit dem Urteil kann jede Religion das gleiche Recht verlangen. Innensenator Körting plädiert in dieser Ausgabe (Seite 10) für eine multireligiöse Gesellschaft. Das hat ebenso viel Sprengkraft wie das Urteil. Richtig ist, dass die Grenzen der Religionsausübung in einem religiös-neutralen Staat ständig neu ausgelotet werden müssen. Bis zur Betecke in der Schule.

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