Berlin : Von Tag zu Tag: Kriminell

Hans Toeppen

Mal im Ernst: Wer möchte schon in der Postkutsche hinter den Verbrechern (mindestens BMW!) herhecheln und mit dem Federkiel dann protokollieren, wie die Jagd verlaufen ist? Niemand. Schließlich sind wir alle dafür, dass die Polizisten gegenüber den Kriminellen nicht unziemlich benachteiligt werden. Deshalb haben die Polizeigewerkschaften auch regelmäßig Erfolg mit ihrer künstlerischen Schwarzmalerei. Denn ob die Kriminalität nun steigt (zu wenig Polizisten, um sie zu bekämpfen) oder ob sie sinkt (zu wenig Polizisten, um sie zu entdecken) - immer stehen wir vor dem Phänomen, dass wir zu wenig Polizisten haben, und dass die wenigen mit ihrer noch von Bismarck stammenden Ausrüstung von den Verbrechern erbarmungslos abgehängt werden.

So weit die statistische Theorie. Da hat es dem Innensenator gestern gar nichts geholfen, dass er eine ganz beruhigende Kriminalstatistik vorgelegt hat: Rückgang in weiten Bereichen, auch bei Taten wie Gewaltkriminalität, Vergewaltigung, Einbruch, Kinderkriminalität, Handtaschenraub. Dass dafür die registrierte Computerkriminalität geradezu explodiert ist, kann uns vergleichsweise gleichgültig sein. Und was hat die Gewerkschaft der Polizei daraus gemacht? Ein Menetekel, ein kriminalitätspolitisches Armaggeddon, die Begriffe versagen einem: Nur ein Zehntel aller Straftaten werde nämlich gemeldet und statistisch erfasst. Wir stehen vor einem Abgrund von polizeilicher Unsicherheit. Kurz mal hochgerechnet: Wir hatten nicht 60 Morde in der Stadt, sondern 600. Nicht 8000 Raubfälle, sondern 80 000.

Du lieber Gott. Wir brauchen schleunigst für jeden Polizisten neun weitere. Holen Sie Ihre Leichen aus dem Keller, geben Sie die Beute ab, offenbaren Sie ihr Schwarzgeld! Wir brauchen eine bessere Statistik. 1,6 Millionen von uns sind nämlich Kriminelle!

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