Von Tag zu Tag : Kuppel drauf!

Ralf Schönball verabscheut nackte Tatsachen auf dem Schlossplatz.

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An nackte Tatsachen haben wir uns gewöhnt. An Stränden und Liegewiesen, aber auch in der City: Die nackten schmucklosen Fassaden verdanken wir dem Wiener Architekturpapst Adolf Loos. Im stucküberladenen Wien sagte er ornamentalen Hausfassaden den Kampf an und geißelte sie als Verbrechen. Ornamente seien wie Tattoos, schrieb er. Wer tätowiert ist, sei ein Verbrecher. Also sei es eine Schandtat, Fassaden mit Ornamenten zu schmücken. Nun, Loos’ Polemik ist bald 100 Jahre alt. Wer heute ein Tattoo trägt, ist oft ein Künstler – und die nackten Tatsachen im Stadtbild, Lochfassaden aus Sichtbeton, sind meistens Ausdruck billigen Bauens. Deshalb darf sich der Bund beim Schloss keine Blöße geben: Die Kuppel gehört aufs Dach und der Schmuck an die Portale. Das ist der würdige Rahmen für die Kulturen der Welt, die hier gefeiert werden sollen. Veranstaltungen, Ausstellungen, Bibliotheken werden Millionen ins Humboldtforum locken. Ein Aushängeschild für Berlin entsteht, Konkurrenz für den Reichstag. Und wer bitteschön mag sich den Reichstag ohne Kuppel vorstellen?

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