Von Tag zu Tag : Lichtpolitik

Werner van Bebber bestaunt ein neues Regelwerk

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In Berlin sind Politik und Verwaltung dabei, zwei Großstadtphänomene voll unter Kontrolle zu bekommen: Lärm und Licht. Die Lärmkontrolle bezwingt die Clubszene, für die Berlin mal berühmt war. Leute bauen Eigentumswohnungen, die in Mitte liegen müssen, und klagen erfolgreich gegen den Lärm, der von irgendwelchen Indie-Bands im Keller nebenan ausgeht. Ab 22 Uhr sind Mitte, Kreuzberg oder Friedrichshain nicht mehr Stadt, sondern Mecklenburg-Vorpommern. Jetzt ist das Licht dran. Anderthalb Jahre lang haben sich Ämter in Friedrichhain-Kreuzberg mit der Lichtbelästigung befasst, die von Werbetafeln der O2-Arena ausgeht. Entstanden ist ein lichtpolitisches Pilotprojekt – ein Vorschriftenwerk voller Dimm- und Abschaltregeln. Gelöst ist das Problem noch nicht, auch wenn die Betreiber der O2-Arena kompromissbereit sind. Lichtbelästigung ist gerichtlich noch wenig erforscht. Darin steckt viel Potential für lange Wege durch alle Instanzen. Wenn in ein paar Jahren auch die Lichter der Großstadt komplett durchreguliert sind, wird es Zeit, sich mal um das Phänomen der Geruchsbelästigung zu kümmern. Manche Rasierwässer sind nachgerade waffenscheinpflichtig. (S.15).

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