Berlin : Von Tag zu Tag: Lieb und Leib

Andreas Conrad

"Die Liebe ist ein seltsames Spiel, sie kommt und geht von einem zum andern", so sang einst Connie Francis und hatte damit die Wahrheit des Liebeslebens präziser getroffen als mancher dicke Roman. Denn sind nicht Herzensdinge ein zerbrechlich-flatternd Ding, den Zu-, Zwischen- und Wechselfällen des Lebens unterworfen wie kaum ein anderes? Man hatte vorsorglich also in Rechnung zu stellen, dass gerade ein theatralisches Projekt wie der "Kongress der Liebeskranken" in der Volksbühne enormen Gefährdungen ausgesetzt sein würde.

Was hätte dabei schon thematisch bedingt nicht alles passieren können! Jeder der Darsteller, und erst recht jede Darstellerin hätte frisch entflammen können, ohne emotionale Erwiderung von Seiten des begehrten Objekts. Auch hätte es zu unverhofften Trennungen kommen können, was ja aufs Gleiche hinausliefe. Vorstellbar wäre auch, dass einem Ensemblemitgleid erst jetzt zu einer längst vergessenen Affäre die Rechnung präsentiert würde - man hat doch von solchen Fällen erst in jüngster Zeit gelesen.

Nichts von all dem geschah, leider. Kein irgendwie romantisches, die Fantasie beflügelndes Zwischenspiel störte das besagte Theatertreffen. Vielmehr ein Zufall, das schon, aber keiner des Herzens, sondern der in tieferen Regionen des Körpers angesiedelten Organe: Alexander Kluge, Autor, Filmemacher und nun eben einbildeter Liebeskranker, musste sich wegen ganz realer Magen-Darm-Grippe diskret wieder nach München zurückziehen. Spontan ist zwar Regisseur Werner Schroeter einsprungen, aber es bestätigt sich doch auf Schmerzlichste die Erkenntnis: Liebe geht durch den Magen.

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