Von Tag zu Tag : Liebesbeweis

Christian van Lessen freut sich über reiche Gönner der Stadt

Christian van Lessen

Beim Gang durch die Stadt drängt sich oft der Eindruck auf, ihr fehle es an Liebe. Beschmierte Fassaden, verödete Grünflächen, löchrige Straßen, ein BVG-Nahverkehr nach Lust und Laune – das alles sind nicht unbedingt Zeichen rührender städtischer Fürsorge. Eher ein öffentliches Armutszeugnis, so gar nicht sexy. Aber offenbar inspirierend: Erfreulich und aufbauend ist das Signal, dass finanzkräftige Gönner immer wieder und immer mehr zu geben bereit sind.

Einer von ihnen stellt gerade sagenhafte 20 Millionen Euro in Aussicht für ein Bauwerk, das die Stadt vielleicht nicht unbedingt braucht und bestimmt nicht bezahlen könnte. Die Großspender aber finanzieren kulturelle und soziale Projekte. Solche Liebesbeweise braucht die Stadt, damit auch im Kleinen bürgerschaftliches Engagement wächst und gepflegt wird. Einen Generalsponsor, der ganz Berlin saniert, wird die Stadt kaum erwarten dürfen – und es wäre auch nicht in ihrem Interesse. „Um in Berlin alle zu erreichen, bedarf es einer richtigen Entscheidung“, schreibt der großzügige Spender auf seinem neuesten Werbeplakat. Die Stadt dankt – solange er alle und nicht alles erreichen will.

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