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Andreas Conrad amüsiert sich über karnevalistische Traditionspflege

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Hegel bemerkte irgendwo, dass alle großen weltgeschichtlichen Tatsachen und Personen sich sozusagen zweimal ereignen. Er hat vergessen hinzuzufügen: das eine Mal als Tragödie, das andre Mal als Farce.“ Ein berühmter, viel zitierter Gedanke, und gerade bei den Herrschaften, die sich am Sonnabend zwecks Traditionspflege im Tierpark trafen, darf man von guter Kenntnis der Fundstelle ausgehen: Karl Marx, „Der achtzehnte Brumaire des Louis Bonaparte“ (1852). Fragt sich nur, wie das altersgraue Bonmot auf den aktuellen Aufzug der ebenso grauen Männer anzuwenden wäre, die offensichtlich ihrem Liebling DDR nachtrauern und daher uniformiert ein wenig Staat im Staate spielen wollten. Ähnliches gab es in der Tat schon einmal, und es war eine Tragödie: die Reichswehr nicht als Schutz der Weimarer Republik, sondern als deren Widerpart, was der jungen Demokratie gar nicht gut bekam. Aber gottlob: Die Tragödie ist Geschichte, aktuell wird nur noch die Farce gegeben, mit all den Schulterstücken der Vergangenheit, eher komisch als bedrohlich. Auch der Zeitpunkt der Feier passte perfekt: Kurz vor dem Höhepunkt der Karnevalssaison.

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