Von Tag zu Tag : Luftig

Andreas Conrad findet noch andere Gründe, um am 1. Mai zu feiern.

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Die Rolle, die der 1. Mai in Berlins öffentlichem Bewusstsein spielt, ist eindeutig zu aktualitätsbezogen. Allenfalls geht der Blick bis 1987 zurück, als der Schlager „Kreuzberger Nächte sind lang“ eine ganz neue Bedeutung erhielt. Ein Blick in die Chroniken allerdings weitet den Blick, denn praktisch seit der Stadtgründung war am 1. Mai fast immer was los, so oder so. Zum Beispiel im Jahr 1893: An diesem Tag wurde Fahrradfahren auf allen Straßen Berlins ohne Ausnahme erlaubt – erst mit Eröffnung der Stadtautobahn musste man das wieder einschränken. Etwa gleichzeitig begannen Autos das städtische Straßennetz zu bevölkern, noch heute aus der Sicht vieler Radfahrer knatternde, hupende, stinkende Monster, angesichts der Abgaswolken eine Gefahr für die Lunge und nicht nur das. Der Emissionswert des Rades dagegen: 0,00 – vom Odeur verschwitzter Pedalentreter mal abgesehen. Aber derlei gehört heute eben zu den Bestandteilen der Berliner Luft, Luft, Luft, deren Qualität erstmals 1899 besungen wurde, bei der Premiere von Paul Linckes Operette „Frau Luna“. Wann genau die stattgefunden hat? Natürlich am 1. Mai, in Kreuzberg.

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