Berlin : Von Tag zu Tag: Märchenhaft

Ekkehard Schwerk

Wenn das Laub so gut wie gefallen ist, die Tage kürzer geworden sind, werden die Städter häuslich, und es ist Zeit für die Berliner Märchentage. Die mittlerweile 12. beginnen am kommenden Donnerstag. Und da kann eine Sache wie das Märchen noch so hübsch sein - die Politik, die Psychologen und die Literaturgescheiten fahren dazwischen, damit alles auch hübsch deutsch wird, will sagen: gehörig gelehrig zugeht. Der neue Regierende Bürgermeister - d. h. dessen Grußworteschreiber - ging voran und ließ verlauten, Märchen entführten uns manchmal in Welten, wo unerfüllbare Wünsche doch erfüllt würden. Der Texter traf den unverbindlichen Ton seines Meisters Wowereit. Und Frau Goehler, die Senatorin für allerlei, auch die Kultur, schlüpfte schon im Wahlkampfmonat in ein Elfengewand, um als "Elfenbeauftragte des Senats" eine Märchenausstellung zu eröffnen. Soweit die Politik.

Und die Literaturgescheiten sprechen vom Abbau von Intoleranz und Rassismus und von Völkerverständigung und anderen märchenhaften Wirkungen der diesmaligen "Geschichten aus 2001 Nacht". Das Märchen ist auch eine angelegentliche Sache für den "Bundesverband Deutscher Psychologen", bei denen sogar "Märchenfachleute" eingeschrieben sind. Und sie lehren uns ihre Erfahrung, die darin besteht: Märchen könnten auch bei der Lösung von "Problemen und Konflikten" helfen. Das Märchen eine Therapie. Das Märchen ein politisches Programm. Das Märchen eine ernste Sache. Das Märchen und seine Berliner Herbsttage - eine Hauptstadtangelegenheit unter der Schirmherrschaft des Regierenden Bürgermeisters Wowereit.

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