Von Tag zu Tag : Mandela-Schloss

Thomas Loy wünscht sich mehr Vorsicht beim Umbenennen Berlins.

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Berlin hat viele Leichen im Keller seiner Geschichte. Das Spektrum reicht von Hitler bis zu Brandenburger Markgrafen, die brutal gegen die Slawen kämpften. Von denen möchte niemand behelligt werden, wenn er durch die Stadt flaniert. Eine weiße Weste fehlt auch Heinrich von Treitschke, dennoch darf eine Straße an ihn erinnern. Und was ist mit Alexander von Humboldt? Ist heute auch nicht mehr über jeden moralischen Zweifel erhaben. Müssen wir deshalb das geplante Humboldt-Forum in Nelson-Mandela-Schloss umbenennen? Oder nur einen Platz davor?

Mandela ist wenige Tage nach seinem Tod ein Werbeträger, mit dem sich multiple Problemlagen historischer Aufarbeitung per Federstrich aus der Welt schaffen lassen. Mandela strahlt so hell, dass für die nächsten 50 Jahre keine Umbenennungsdebatte um seine Person aufkommen dürfte. Das spart eine Menge Kosten. Auch die Mohrenstraße, benannt nach schwarzen Afrikanern, die der Große Kurfürst einst ins Land holte, wäre mit Mandela ein für allemal jeder Debatte um den preußischen Sklavenhandel und den postkolonialen Rassismus entzogen.

Mandela, so hoffen wir, hat seinerseits keine Leichen im Keller, die sein Bild irgendwann in der Zukunft doch noch trüben könnten. In Nürnberg haben sie vorsorglich nur einen Parkplatz hinterm Bahnhof nach ihm benannt.

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