Berlin : Von Tag zu Tag: Markenduft

Andreas Conrad

Ein typischer Generationenkonflikt: Sohnemann Titus beschwerte sich beim Papa Vespasian, weil dieser bei der Steuerpolitik nicht mal vor öffentlichen Toiletten halt machte. Die Antwort wurde legendär:"Pecunia non olet."- "Geld stinkt nicht."

Damit hat der olle Kaiser zugleich für knapp zwei Jahrtausende ein hartnäckiges Vorurteil festgeschrieben, das niederzureißen die vornehmste Aufgabe jedes modernen Aufklärers sein sollte. Und zugleich die aktuellste: Haben Münzen wie Scheine wirklich so wenig Charakter, dass sie zu keiner individuellen Ausdünstung in der Lage sind? Beim Euro glauben wir dies gerne, denn wenngleich er schon zur Gewohnheit geworden ist, haftet ihm weiterhin etwas Aseptisches, an, schon wegen der nur wenigen Erinnerungen, die sich mit ihm verknüpfen.

Ganz anders die Mark:Man öffne nur seinen Geldbeutel und schnuppere gehörig darin herum. Müffelt da nicht, von der neuen Euro-Befüllung nicht zu überdecken, jahrelanger Geldfluss aus allen verborgenen Winkeln?Und selbst Vespasian wäre wohl überzeugt worden, hätte es ihn gestern zum Alexanderplatz verschlagen, wo die Künstlerin Susanne Bosch für sieben Stunden ihren Tresore öffnete, Mittelpunkt des Projekts "Restpfennig". Auf allen Vieren wäre er herumgekrochen, die römische Nase tief in die Geldhaufen versenkt, in seinen Augen hätte es wieder metallisch geglitzert, und er hätte geseufzt:"Ach, Titus, wenn du das riechen könntest."

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