Von Tag zu Tag : Marzahns Sound

In Marzahn lockt die Platte mit neuer Aufmachung, Concierge-Service und Musik im Fahrstuhl. Ralf Schönball über Hits aus den 80ern für die Lifts in den Hochhäusern.

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Mit "You make me feel like dacing" fordert Leo Sayer im Fahrstuhl zum Mittanzen auf.
Mit "You make me feel like dacing" fordert Leo Sayer im Fahrstuhl zum Mittanzen auf.Foto: imago

Ob Götz George seinen vielleicht spannendsten Film in Marzahn gedreht hat, wissen wir nicht – es hätte aber gepasst. „Abwärts“ hieß der nämlich, spielte im Aufzug eines Hochhauses und kam in einer Zeit in die Kinos, als es mit der Karriere des Schauspielers steil bergauf ging und mit dem Ruf der Platte allmählich bergab.

George ist immer noch oben, aber auch die Hochhäuser scheinen wieder im Kommen zu sein. Denn Siedlungen aus industriell gefertigten Betonbauteilen – das meldeten jüngst die Stadtforscher – erleben ein unverhofftes Comeback. Ob in Marzahn oder im Märkischen Viertel, die Leute ziehen wieder zurück in die Platte. Die Wohnungen sind saniert, aber trotzdem günstig, und die Vermieter locken mit allerlei Annehmlichkeiten, einem Concierge-Service zum Beispiel.

Fahrstuhlmusik im Stile der 80er

Nun geht es auch noch zurück in die Zukunft mit einem Soundtrack aus dem Zeitalter des Vinyls: Die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft Degewo meldet, dass es ab sofort in vier Aufzügen von Hochhäusern in Marzahn, die in den 80ern fertiggestellt wurden, auch Musik aus den 80ern gibt: vom Sender „Radio Berlin 88,8“.

Das ist, „Baby“, wahrlich „a big surprise“ (Chicago). „Verdamp lang her“ (Bap), dass jemand eine so gute Idee hatte – da fehlen einem die Worte – „more than I can say“ (Leo Sayer). Wurde allerdings auch mal Zeit, dass jemand die peinliche Stille durchbricht, die in Aufzügen herrscht, während es auf- oder eben abwärts geht. Mit Marzahn geht es jedenfalls nach oben: „Everyone’s a winner, baby!“. Götz George sowieso. Der steuert übrigens auf die 80 zu. Inzwischen werden nicht nur Filme mit ihm gemacht, sondern sogar schon über ihn. Als Titel für die nächste Filmbiografie schlage ich vor: „Aufwärts!“

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