Berlin : Von Tag zu Tag: Mehr Grau!

Andreas Conrad

Es hat einen hier in Berlin schon etwas gewurmt, als die ganze Welt den Australiern auf die Schultern klopfte für ihre überaus gelungenen Olympischen Spiele in Sydney. Gegen solchen Zuspruch hätte auch bei uns niemand etwas einzuwenden gehabt, nicht mal der verbohrteste Gegner der so jämmerlich gescheiterten Bewerbung. Warum nur, warum? Oder besser: Warum nicht? Die Frage haben wir noch immer nicht ganz geklärt.

Sollten wir aber für künftige Bewerbungen, schon um die gleichen Fehler nicht noch einmal zu machen. Gerne greifen wir auch auf Erkenntnisse, Spekulationen und Vermutungen der Konkurrenz zurück, fremde Strategien interessieren uns besonders. Zum Beispiel die der Chinesen: Deren Geheimwaffe für die Bewerbung 2008 heißt Grau. Ganz recht: grau. Mit derart bemalten Gebäuden will man Pekings Chancen steigern, der Farbton habe sich schließlich in der Geschichte der Stadt als dominant herausgebildet. Auch passe Grau gut zum Klima, zur Kultur, zur Tradition.

Nun weiß man seit Loriot, dass Grau nicht Grau ist, dass beispielsweise ein frisches Steingrau die Stimmung ungemein hebt. Aber haben wir dies hier in Berlin wirklich genügend beachtet? Haben wir nicht im Gegenteil alles getan, um die Stadt schön bunt zu machen? Besonders natürlich in ihrem Osten, früher ein Paradies in Grau, mittlerweile zunehmend vollgekleckst, bunt im Kleinen wie im Großen. Musste das sein? Weiß das Malerhandwerk eigentlich, was es da angerichtet hat? Also: Die Pinsel fallengelassen und zurück zum Kohlenofen. Da wird das mit den Spielen schon klappen.

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