Von Tag zu Tag : Mit Kräutern

Bernd Matthies aalt sich in einer erstaunlichen hohen Zahl.

von

Tausende von Männern sitzen täglich an den Ufern der Berliner Gewässer, um zu angeln. Sie tun das, weil ihnen nichts anderes so viel kontemplative Ruhe beschert. Ums Fangen geht es nicht. Denn ein versehentlich anbeißender Fisch würde sie vermutlich völlig aus dem Gleichgewicht bringen; außerdem versucht niemand, der noch alle Töpfe im Schrank hat, eine Plötze oder Rotfeder aufzuessen.

Ein Aal, das wäre was ganz anderes. Urberlinisch! Grün mit Kräutern, oder kräftig geräuchert, von Aal-Paule mit Schmackes aufs Papier gehauen, auch den hier noch dazu für nur zehn Euro! Nur werden die Aale in den hiesigen Gewässern immer seltener und logischerweise teurer, und das erklärt, weshalb die Umweltverwaltung in diesem Jahr 340 000 Jungaale aussetzt: Allein zu dem Zweck, später wieder gefangen und aufgegessen zu werden.

Sowas ist einfach schön. Der Senat tut etwas, was er nicht tun müsste, aber tun will, Berlin zuliebe, damit es später nicht heißt, wir hätten uns die Aale nur von unseren Kindern geliehen. Nun können wir nur hoffen, dass die Viecher nicht allesamt in die Sargassosee auswandern. (Seite 14)

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