Berlin : Von Tag zu Tag: Münchner Herz

Stephan Wiehler

Zugegeben: An ihrem volkstümlich gerollten Carolin-Reiber-"R" wird sie noch arbeiten müssen, um die First Lady aller Deutschen zu werden. Aber seit ihrem ersten Auftritt als Gattin des Unions-Kanzlerkandidaten in Berlin steht fest, wer im Kompetenzteam des bayerischen Ministerpräsidenten für das Hauptstadt-Gefühl im Wahlkampf 2002 zuständig sein sollte. Karin Stoiber kennt den Takt, in dem die Herzen der verarmten Berliner schwingen.

Gestern besuchte sie das Ausbildungszentrum des SOS-Kinderdorfs in Wedding und überreichte einen Scheck über 20 000 Euro, den Erlös eines Benefiz-Konzerts, das die Bayerische Landesvertretung in der Staatsoper veranstaltet hatte. Mit ihrem Engagement für die Chancengleichheit sozial benachteiligter Jugendlicher zeigte sie Gespür für den "mitfühlenden Konservatismus" und wies der Union eine Strategie, mit der sie im "roten" Wedding Wahlen gewinnen könnte. Und sie setzte ein Zeichen für die multikulturelle Gesellschaft. Im Ausbildungszentrum des SOS-Kinderdorfes lernen junge Leute aus 20 Nationen einen Beruf. Den Kritikern der CSU-Ausländerpolitik hat sie damit den Wind aus den Segeln genommen.

Mit ihrem Berliner Wahlkampf-Auftakt hat Karin Stoiber ihrem Mann den Weg ins Kanzleramt geebnet und der CDU gezeigt, wie sie von der bayerischen Schwesterpartei das Siegen lernen kann. Es bleibt spannend: Wie wird die Titelverteidigerin Doris Schröder-Köpf jetzt kontern?

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