Von Tag zu Tag : Mund auf!

Andreas Conrad singt weder im Chor noch alleine vor sich hin

Andreas Conrad

Johann Gottfried Seume hätte gejauchzt vor Vergnügen. Von ihm, einem Zeitgenossen Goethes, kennen die meisten wohl nur einen Satz: „Wo man singt, da lass dich ruhig nieder, böse Menschen haben keine Lieder.“ Glaubt man dem Dichter, so war die Philharmonie gestern der sicherste Platz von Berlin. 1500 Stimmgewaltige, die frohe Weisen gen Saaldecke schmetterten, das muss uns erst mal jemand nachmachen. Eine massenhafte Kehlkopfertüchtigung zum Lobpreise der Sangeskunst, die man früher einmal, nein, nicht mit einem Gottfried, aber doch einem Gotthilf assoziierte, dessen Nachnamen dann sogleich auf die aufgebotenen Gesangsformationen übertragen wurden: die Fischer-Chöre. Unvergessen ist noch immer der Auftritt des Meisters auf der Loveparade 2000, als ihm, so reimte er sich sein seltsames Befinden hinterher zusammen, ein Unbekannter irgendeine Droge ins Bier gemixt hatte. Ein Unhold, der laut Seume damals auf keinen Fall mitgesungen haben kann, weder hoch auf dem gelben Wagen noch davor, dahinter oder gar darunter.

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