Von Tag zu Tag : Nachnutznießer

Stefan Jacobs schwankt zwischen Hangar und Funkmast

Die Sache ist gar nicht so bekannt, aber „E.T.“ ist ein Berlin-Film. Stichwort „Nach Hause telefonieren!“ Na, klingelt’s? Steven Spielbergs Schrumpelmännchen und der vorwendische bundesdeutsche Zuzügler – sie waren sich ähnlicher als gedacht. Deshalb ließ die selige Bundespost 1979 im Frohnauer Forst jenen Funkmast errichten, der tausende Telefongespräche gleichzeitig in den Westen senden konnte und dank seiner Höhe die DDR überbrückte, die aus Westperspektive ähnlich unerforscht war wie E.T.s Heimat. Nur blauer war die DDR, wegen der Zweitakter.

Jetzt kommt aus den nunmehr blühenden Landschaften eine Sprengfirma daher und haut den Turm um. Ihn zu erhalten wäre unbezahlbar, sagt die Telekom.

Ein Jammer, dass er so weit draußen steht. In Friedrichshain hätte längst jemand eine Bar oder wenigstens eine Minibar oben eingebaut, in Kreuzberg hätten ihn klamme Bohemiens besetzt. In Tempelhof, wo nach der Schließung des Flughafens jetzt die Hangars knapp werden, hätten ihn CDU und IHK adoptiert. Aber das Frohnauer Publikum ist nicht so nachnutzungsaffin. Und E.T. hat wahrscheinlich auch längst ein Handy.

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