Von Tag zu Tag : Näher ran

Elisabeth Binder möchte mal mit dem Bundespräsidenten grillen gehen

Wenigstens das Essen wird frisch sein, wenn am kommenden Freitag die Werkstatt Deutschland Bundespräsident Horst Köhler zur „Tafel der Demokratie“ mit 1500 Bürgern auf den Pariser Platz bittet. Dafür treten 40 Köche rund um den Küchendirektor des Adlon an. Die Idee dahinter wirkt leider eher aufgewärmt. Der Gedanke, „die Bürger des Landes nach alter Sitte Brauch“ gewissermaßen von unten mit ihrem Staatsoberhaupt ins Gespräch zu bringen“, hat einen Nachgeschmack von Peinlichkeit. Die Inszenierung einer fast höfisch anmutenden Tafel, an der das Volk Eintopf vom Adlon serviert bekommt und seinem Präsidenten auch mal was sagen darf, zeigt ein eher angestaubtes Gesellschaftsbild. Köhler selbst ist als Gastgeber viel moderner, indem er Feste nutzt, um bürgerschaftliches Engagement zu belohnen. Sicher ist das alles gut gemeint von der Werkstatt Deutschland. Bei nächster Gelegenheit wünschen wir uns trotzdem eine Runde Grillen im Tiergarten mit anschließendem gemeinsamem Müll einsammeln. Das ist volkstümlicher, und das Staatsoberhaupt erfährt direkt, was es sonst nur aus den Fenstern vom Schloss Bellevue sieht.

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