Berlin : Von Tag zu Tag: Nehmet und esset

Stephan Wiehler

Der Mensch lebt nicht vom Brot allein. Es muss einen nicht nach dem Wort Gottes hungern, um dieser christlichen Weisheit beipflichten zu können, und dennoch gilt zugleich: Der Mensch ist, was er isst. Da der Mensch sich ebenso von geistlich-spirituellen wie fleischlich-pflanzlichen Lebensmitteln ernährt, besteht zwischen diesen beiden Erkenntnissphären durchaus kein Widerspruch, und so ist es nur konsequent, dass sich auch Kirchenhäupter einen Kopf nicht nur um das seelische, sondern auch das leibliche Wohl ihrer Schäflein machen.

Wohl deshalb hat sich die Berlin-Brandenburgische Synode der evangelischen Kirche dazu entschlossen, auf kircheneigenen Ländereien auch in Zukunft keine gentechnisch veränderten Pflanzen zu erlauben. Die Kirchenleitung begründete dies damit, dass es bisher keine ausreichende Absicherung gegen Risiken der grünen Gentechnik gebe.

Eine weitsichtige Entscheidung, denn auf Kirchengrund hat die Schöpfung so zu fleuchen, wie der Herr sie gemacht hat. Von notorischen Nörglern, die auch in diesem Fall christlich-institutionalisierte Fortschrittsfeindlichkeit wittern, sollte sich die Kirche nicht irre machen lassen. Spätestens, wenn die Konsumenten des unberechenbaren Gen-Gemüses von mutierten Riesenameisen verfolgt werden und biologisch veränderte Lebensmittel harmlose Darmbakterien in Körperfresser verwandelt haben, werden die verunsicherten Verbraucher um Kirchenspeisung ansuchen.

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