Berlin : Von Tag zu Tag: Noch fünf Tage

Gerd Nowakowski

Noch hat der Marathon-Mann der Berliner Politik nicht entschieden, ob er noch einmal kämpfen will, noch einmal Spitzenkandidat der Union werden möchte. Sechzehn Jahre lang ist Eberhard Diepgen Regierender Bürgermeister, länger als die sozialdemokratischen Vorgänger Ernst Reuter, Otto Suhr und Willy Brandt zusammen. Doch am kommenden Sonnabend soll Schluss sein. Dann wollen SPD, Grüne und PDS den Regierungschef mit einem Misstrauensantrag stürzen. Eine Stadt ohne Diepgen an der Spitze? Unvorstellbar! Wir müssen uns an diesen Gedanken gewöhnen, an jedem der restlichen Tage der Ära Diepgen. Und daran erinnern, woran Diepgen sich erinnern wird.

An Widersacher ist Eberhard Diepgen gewöhnt, seitdem er vor über 30 Jahren begann, die kleinbürgerliche Honoratioren-Truppe CDU zu übernehmen und zu einer liberal-konservativen Großstadtpartei zu machen. Bei den Attacken der parteiinternen Oppositionsgruppe Union 2000 beispielsweise sah Diepgen Anfang 1998 ziemlich alt aus. Zu alt, um gleichzeitig Parteichef und Regierender Bürgermeister zu sein, meinten seine Opponenten. Die Parteiführung solle er abgeben. Ex-General und Innensenator Jörg Schönbohm spitzte schon die Lippen, zu pfeifen getraute er sich aber doch nicht.

Dafür aber traute sich Eberhard Diepgen - ein neues Image zu. Er rannte seinen Kritikern davon. Und auch der SPD. Dynamisch-verwischt huschte der Regierungschef auf Plakatwänden im Wahlkampf 1999 plötzlich durch die Stadt. "Diepgen rennt", zeigte einen agilen Mann im Rollkragenpullover, dem seine Jahre nicht anzusehen waren. Da sah der SPD-Konkurrent Walter Momper ganz alt aus und putzte die Platte.

Vorbei. Diesmal wird es Eberhard Diepgen nicht gelingen, seinen Gegnern zu enteilen. Die Zeit läuft, Diepgen geht. Es sei denn, er schlägt noch einen unerwarteten Haken.

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