Berlin : Von Tag zu Tag: Noch zwei Tage

Gerd Nowakowski

In der Senatskanzlei werden die ersten Umzugskartons gepackt. Sechzehn Jahre im Amt - Eberhard Diepgen hat einen historischen Umbruch und Neuanfang in der Berliner Geschichte begleitet. Zu Ende. Am Sonnabend soll er abgewählt werden. Ein Senat ohne Diepgen - daran müssen wir uns erst noch gewöhnen. Und Diepgen auch. Deshalb erinnern wir an Ereignisse, die Diepgen nie vergessen wird.

Mut. Ein Wesenszug, der selbst von CDU-Freunden nicht zur ausgeprägtesten Eigenschaft des Regierenden Bürgermeister gerechnet wird.

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Fototour: Die Bilder der Krise Der geborene Weddinger war immer ein vorsichtiger Taktierer. Bloß nicht auf Positionen vorschnell festlegen lassen, und immer auf die Mehrheit achten: Das war stets Diepgens Erfolgsrezept. Deswegen blieb er bis heute im Amt, während populäre Haudraufs und Konkurrenten wie Heinrich Lummer im CDU-Abseits gelandet sind - oder wie der zu zackige Ex-General Jörg Schönbohm als Innenminister in Potsdam.

Die Einheit änderte vieles. Und machte Diepgen mutig. Der West-Berliner zog 1991 vom Schöneberger Rathaus ins Rote Rathaus, da ist die fortwährende Teilung der Stadt deutlicher zu spüren. Beispielsweise die Gehaltsmauer im öffentlichen Dienst: unterschiedliche Bezahlung bei gleicher Arbeit. Diepgen kämpfte 1994 für die schnelle Angleichung der Ost-Gehälter an das Westniveau. Die Ministerpräsidenten der Länder schäumten, Berlin wurde aus der Tarifgemeinschaft der Länder ausgeschlossen. Der Rebell Diepgen blieb stur. Die schnelle Angleichung der Gehälter kostete Berlin ab 1996 jährlich eine Milliarde Mark mehr. Auch dieses Geld fehlt Berlin heute. Aber der Einsatz war es wert - für den inneren Frieden der Stadt.

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