Von Tag zu Tag : Nordsüdkonflikt

Werner van Bebber grübelt noch über die Versprechen der Politiker.

von

In so einer großen Stadt kann man sich nicht ständig Gedanken über die Befindlichkeit der Leute in entfernten Bezirken machen. Kein Wunder, dass die Image-Tuner von Reinickendorf nicht bedachten, wie ihre neue Kampagne auf Menschen in Treptow-Köpenick wirkt. Auf Plakaten, die auch im Berliner Südosten zu sehen sind, werben die Reinickendorfer damit, dass „in Zukunft Reinickendorfs schönster Lärm die Stille“ sein werde. Der etwas krude Slogan spielt auf die Schließung des Flughafens Tegel an. Wenn keine Düsenjets mehr an den Schornsteinen vorbeischrammen, wird es in Reinickendorf so ruhig sein, dass man nachts auf der Scharnweberstraße die arbeitsamen Werktätigen schnarchen hören kann. Schöne Aussichten.

Derweil fürchten sie in Treptow-Köpenick Fluglärmbeschallung in bislang unbekannten Dimensionen – und empfinden, wie der Bürgermeister Oliver Igel zu Recht bemerkt, die Reinickendorfer Werbung mit der Stille als „Provokation“, zumindest als „unsensibel“. Die Leute im Südosten wissen nicht, worauf sie sich einstellen müssen. Den Berliner Groß-Politikern vertrauen sie nach der Flugrouten-Debatte ohnehin nicht mehr.

Genau daraus könnten sie in Treptow und Köpenick sogar Trost schöpfen. Denn noch ist die Stille für Reinickendorf nur ein Versprechen – wie alles, was mit den neuen Flughafen zu tun hat. Tatsächlich ist es im Norden lauter denn je, und im Himmel über dem Westen kreisen die Flugzeuge in Warteschleifen. Stille? Sogar in Kladow kann man sich als Flughafen-Anrainer fühlen und Sinn für die Fluglärmfurcht der Leute in Friedrichshagen entwickeln. Wer weiß, wann sich das ändert? Wer glaubt noch, dass der Großflughafen im Oktober 2013 in Betrieb geht?

0 Kommentare

Neuester Kommentar