Von Tag zu Tag : Norwegische Gemeinde will sich Weihnachtsbaum für Berlin sparen

Seit dem Mauerfall hat die norwegische Gemeinde Frogn Jahr für Jahr Berlin einen Christbaum spendiert. Das wird ihr jetzt zu teuer.

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Nordmann? Der Baum am Pariser Platz kommt seit langem aus Norwegen.
Nordmann? Der Baum am Pariser Platz kommt seit langem aus Norwegen.Foto: dpa

Der Maischuss wird diesmal nicht lange auf sich warten lassen. Gut möglich, dass er sich angesichts des milden Wetters sogar schon Ende April zeigt: Aus dunklem Tann sprießt es plötzlich hellgrün, schieben sich aus nadligen Zweiglein saftige neue Triebe ins Licht. Auch für den Nadelbaum, der in gut sieben Monaten auf dem Pariser Platz aufgestellt wird, Berlinern und mehr noch Touristen zum vorweihnachtlichen Pläsir, trifft das zu, fragt sich nur, wo er steht. Mehr noch, ob er überhaupt irgendwo steht. Seit dem Mauerfall wuchs er in den Wäldern der Kommune Frogn im Südosten Norwegens – ein alljährliches Präsent zum ersten Advent, aber es sieht so aus, als werde mit dieser schönen Tradition gebrochen. „Der Transport der Fichte ist jedes Jahr eine große Herausforderung und kostet uns 90 000 norwegische Kronen, also etwa 11 000 Euro“, sagte jetzt Frogns Bürgermeister Thore Vestby der Nachrichtenagentur dpa. Das mag Frogn, bei aller Freundschaft, nicht mehr alleine tragen, deutete der Rathauschef an.

Auch habe Berlin immer größere Ansprüche – hören wir da etwa eine leise Kritik heraus? Nun gut, sie kommt nicht unerwartet, denn das Prinzip „Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul“ gilt in Berlin bei Baumspenden jedenfalls nur eingeschränkt. Allerdings richtete sich der kritische, mit Spottlust verbundene Blick traditionell auf das Exemplar auf dem Breitscheidplatz, nicht auf den Norwegerbaum auf dem Pariser Platz, der nur 2011 wegen Transportschäden schlecht wegkam. Setzen wir also unsere Hoffnung auf Donnerstag. Da kommt Bürgermeister Vestby angereist, um mit Norwegens Botschafter eine Lösung zu suchen. Auf dass unser Baum auf dem Pariser Platz endet und nicht in der Streichholzschachtel.

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