Berlin : Von Tag zu Tag: Nur der Ortsteil zählt

Ekkehard Schwerk

Nu man sachte mit die jungen Pferde vor dem neuen Bezirkskarren! Die offiziellen Namen für zusammengelegte Verwaltungsbezirke sind das eine. Das andere sind die Ortsteile, also jene kleineren Bereiche, in denen die Bürger daheim sind. Einem Nikolasseer kann es wurscht sein, ob seine Angelegenheiten nun von einem Bezirksamt Steglitz / Zehlendorf verwaltet werden; er wohnt in Nikolassee, basta. Das ist ein Ortsteil immer gewesen, vorher von Zehlendorf, nun von Steglitz-Zehlendorf.

Und einen Westender dürfte es kaum kratzen, ob das Bezirksamt Westend offiziell als Ortsteil ansieht oder nicht. Was ein Ortsteil ist, bestimmt nicht das Amt, sondern der Bürger, basta. Und die Pankower Verwaltung kann sich auf den Kopf stellen: Prenzlauer Berg bleibt fürs Prenzlauer Bergvolk Prenzlauer Berg. Den will ich sehen, der es wagte, zur Kulturbrauerei oder Brotfabrik nach Pankow zu schicken. Den lehret gehörig mores!

Das Heimatmuseum Zehlendorf liegt in Zehlendorf-Mitte, so sprach, so spricht der Bürger, basta. Und sollte es einem rheinischen Kneipenwirt etwa einfallen, noch eine weitere Sozialstation für Bonner Vertriebene nun in einem Stadtbahnbogen der Flensburger Straße aufzumachen, dann ab mit denen nach Moabit, selbst dann, wenn die Gewerbeaufsicht im Reformbezirk Mitte liegt, basta.

Mit einem Wort: Für den Bürger zählt nicht die Bezirks-Schote, sondern die Ortsteil-Erbse. Ihr praktischer Nährwert besteht übrigens auch in der Einwohner-Erfassung und allerlei statistischen Zwecken.

Wenn die Bezirksreform überhaupt einen Sinn hat, dann jenen, den Bürgern die Stadt bewohnbar zu machen, billig und bewährt.

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