Von Tag zu Tag : Ohne Gurt

Ein Reklame-Opel auf einem Hausdach am Straßenrand soll Autofahrer ablenken? Da hatten sie aber schon ganz anderes auszuhalten, meint unser Autor Andreas Conrad

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Opel,Gaga,Charlottenburg,Hetzer,ReklameMitte der Siebziger mussten sich die Verkehrserzieher der Nation allerhand einfallen lassen, um die neue Gurtpflicht auch tatsächlich durchzusetzen. „Oben mit ist besser“, lautete so ein pädagogischer Werbespruch, er illustrierte eine Frau hinterm Lenkrad, die außer dem Gurt nicht sehr viel anhatte. Daraus wurde 1977 sogar ein Hit der Country-Band Truck Stop: „Wer kennt die Frau, die nichts anhat als den Gurt auf dem Schild an der Straße von zu Hause in die Stadt, wo ich so oft langfahr’?“ Die Loreley war nichts gegen die plakative Versuchung, der die deutschen Autofahrer damals ausgesetzt waren. Gut also, dass das Gefahrenpotenzial, das die Angegurtete barg, durch den nun massenhaft angelegten Gurt halbwegs neutralisiert wurde. Eine angestaubte Kuriosität? Keineswegs. Denn bis vor kurzem barg der Straßenrand ein offenbar noch viel größeres Risiko, das jetzt dank der Fürsorglichkeit der zuständigen Behörde behoben wurde: ein Opel auf dem Dach. Unverständlich bleibt vor diesem Hintergrund ein Großplakat, das derzeit Unter den Linden für Lady Gagas Parfüm „Fame“ wirbt. Allerlei Männlein klettern an delikaten Stellen auf der Sängerin herum, sie selbst trägt nicht mal einen Gurt.

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