Von Tag zu Tag : Ohne Wowereit

Bernd Matthies über den erneuten Vorstoß in Sachen Olympia.

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Ach, da heißt es nun gleich wieder, Klaus Wowereit wolle seine abgeschmierten Popularitätswerte aufhübschen, indem er Berlin für die Olympischen Spiele fernerer Zukunft ins Gespräch bringt. Aber das ist eine unfaire Behauptung. Denn Wowereit bringt Berlin immer wieder dafür ins Gespräch, 2004 und 2008 und zwischendurch, und vermutlich hat er es auch schon getan, als er noch gar nicht Regierungschef war.

Richtig ist allerdings: Selten war der Zeitpunkt so schlecht für dieses ehrgeizige Ansinnen. Denn Olympische Spiele sind ja eine logistische Herausforderung, es müssen unendlich viele Räder geschmeidig ineinandergreifen. Und da könnte der eine oder andere Entscheider schon fragen, ob eine Region, die mit den Eigenheiten einer komplexen Brandschutzanlage in ihrem neuen Flughafen nicht fertig wird, für ein so hohes Ziel die richtige Wahl ist. Bis dahin längst vergessen, wird Wowereit sagen. Mag sein. Nur hat jede Olympiabewerbung ihre Gegner, im eigenen Land und weit draußen, und sie werden dem Absturz von Schönefeld ein liebevolles Andenken bewahren.

Wie ist überhaupt der Zeitrahmen gesteckt? Die nächsterreichbaren Sommerspiele sind 2024 und 2028, entschieden wird jeweils sieben Jahre vorher, bis dahin ist also nicht übertrieben viel Zeit. Dennoch spricht – halten zu Gnaden – alles dafür, dass Wowereit nicht mehr derjenige sein wird, der als Stadtchef die Zusage einsacken könnte. Das ist vermutlich auch besser so, denn er hat in Sachen Olympia mit seinem trotzigen „Berlin, was sonst?“ bisher glücklos agiert.

Dabei stimmt das ja. Berlin ist eine geeignete Olympiastadt, und niemand wird auserkoren, der ängstlich abwinkt. Nur gibt es wohl andere, bessere Formen der Bewerbung als die übliche pampige Berliner Selbstgewissheit.

Bewerben also, natürlich. Und falls zu einem Konzept für das Jahr 2024 auch die Nutzung von Flächen auf dem alten Flughafen Tegel zählt, dann wäre es schön, wenn dieser Flughafen bis dahin auch tatsächlich für Olympia frei wäre. Man ist sich mit Berlin im Moment ein wenig unsicher bei solchen Sachen.

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