Berlin : Von Tag zu Tag: Oskar & Herkules

Ulrich Zawatka-Gerlach

Das hatten wir doch schon mal! Eine Allparteienregierung. Sogar eine Allparteienregierung plus Parteilose. Mit Hans Scharoun, Ferdinand Sauerbruch und Andreas Hermes. Mit christlichen Konservativen, Sozialdemokraten, Liberalen und - echten Kommunisten. Zugegeben, es war kein demokratisch gewählter, aber doch ein auserwählter Berliner Magistrat. Der dazugehörige Oberbürgermeister Arthur Werner wurde am 12. Mai 1945 zu Hause im Garten von einem fremden Mann namens Karl Maron angesprochen und am gleichen Abend von Generaloberst Nikolai Bersarin ins Amt gehoben.

Zum Thema Online Spezial: Berlin hat gewählt So einfach war das damals. Keine Sondierungsgespräche. Keine Koalitionsverhandlungen. Keine Meinungsumfragen zu Ampel- oder Rot-Rot-Präferenzen. Auferstanden aus Ruinen, in die Hände gespuckt und der Zukunft zugewandt. Alle Mann hoch. Frauen waren nicht dabei; die mussten noch rasch die Trümmer beiseite räumen. Es gab sogar einen Stadtrat für Arbeitseinsatz. Das könnten wir heute auch wieder brauchen. Nicht den Stadtrat, aber manchmal etwas mehr Arbeitseinsatz...

Oskar Lafontaine muss an jene wilden Zeiten gedacht haben, als er am Montag einen Allparteien-Senat vorschlug. Nicht zum ersten Mal. Sein Hauptargument: In der Hauptstadt seien Herkulesaufgaben zu bewältigen, CDU und PDS müssten mit ins Boot. Sein Nebenargument: Gysi rieche nicht nach Schwefel. Sein Hilfsargument: Die USA müssten nicht die PDS, sondern den Winter in Afghanistan fürchten. Wir bitten Herkules, für Oskar im Hindukusch ein Schwefelhölzchen anzuzünden. Damit er Berlin endlich verstehen lernt, leuchten wir ihm heim. Parteiübergreifend.

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