Von Tag zu Tag : Party-Verzicht

Werner van Bebber ist ausnahmsweise rot-roter Meinung

Werner van Bebber

Feiern kann man sicher beides – den Beginn wie das Ende der Luftbrücke. Manches spräche dafür, den 60. Jahrestag des Luftbrücken-Beginns am 24. Juni dieses Jahres offiziell zu feiern. Was damals anlief, war groß. Würde der Senat den Luftbrücken-Beginn groß befeiern, bekäme man einiges in den Blick, das einem dieses seltsame Immer-noch-ein-bisschen-Nachkriegsberlin erklärt, in dem man lebt: die West-Berliner Alliierten-Verbundenheit, das damalige Großprojekt Flughafen Tegel – eine riesige Arbeitsbeschaffungsmaßnahme; der Winter 1948/49, in dem im Westen alle hungerten, und überhaupt die West-Berliner Mentalität. Klaus Wowereit will diese Feier-Perspektive nicht: Gedenken ja – doch groß gefeiert soll erst 2009 werden, am 60. Jahrestag des Luftbrücken-Endes. Wowereit liegt richtig. Es wäre nicht bloß ein sehr westlastiges Feierprogramm, es wäre nach dem Volksbegehren der reine Zynismus, jetzt Tempelhof feierlich zu würdigen. Wowereit, der Tempelhof zugemacht hat, kann nicht auf dem Flughafengelände Reden über Solidarität und Wertegemeinschaften halten – auch wenn das so schöne Staatsmannsbilder gäbe. Also wird der Senat 2009 das Blockade-Ende feiern. Was gut so ist. (Seite 10)

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