Berlin : Von Tag zu Tag: Partykönig

Fatina Keilani

Sieh mal einer an, Strieder wieder! Jetzt wissen wir endlich, warum der Stadtentwicklungssenator die ganze Zeit so störrisch gegen die "Kanzlerlinie" U 5 ist: Er ist ein Partyhengst. Ganz klein ist die Notiz im "Amtsblatt für Berlin", einer staubtrockenen Lektüre für Hartgesottene auf schon in druckfrischem Zustand vergilbtem Papier, deren ureigene Bestimmung es ist, ungelesen im Archiv zu verschwinden. Darin muss der Staat immer seine Aufträge öffentlich ausschreiben. "Veranstaltung im U-Bahnhof Reichstag" steht da, und dass die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung jemanden sucht, der eine Party für 700 Leute ausrichtet. So ein Schlawiner! Bis 16. November können Veranstalter ihre Angebote einreichen, "Ausführungszeit" ist der Januar 2002.

Fete im Januar - etwa der Neujahrsempfang? 700 gierige Büfett-Schlächter - auf Steuerzahlers Kosten? Jetzt ist wohl doch mal ein Anruf in der Senatsverwaltung fällig. "Stimmt", sagt Strieders Sprecherin. "Wir schreiben das aus. Das ist ein irrer, toller Raum!" Der allerdings ein Un-Bahnhof sei, kein U-Bahnhof. Und dessen Unterhaltung und Wartung schon im Leerzustand einen Haufen Geld koste. Deshalb werde jetzt nach einem Betreiber Ausschau gehalten, der die gleislose Halle dekoriert, heizt, beleuchtet, beschallt... bis zum "Tag X", an dem daraus ein funktionierender Bahnhof wird. "Wir versprechen uns eine hübsche Miete von, sagen wir, 2,5 Millionen Mark im Jahr", sagt die Sprecherin. Es gebe auch schon eine Menge Anfragen. Das bringe Spaß und der Stadt zugleich Geld. Ganz schön clever. Und von den zweieinhalb Milliönchen könnte der Senat dann ja eine rauschende Party machen.

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