Berlin : Von Tag zu Tag: Pille gegen links

Stephan Wiehler

Doof bleibt doof, da helfen keine Pillen. Leider. Denn die Tablette gegen Blödheit wäre sicher ein Mordsgeschäft für die Pharmaindustrie. Und ein Segen für die Menschen. Die Glossen, die Sie täglich an dieser Stelle finden, könnten viel pfiffiger daherkommen, wenn den Autoren ein solches Präparat verabreicht würde, bevor sie zur Feder greifen. Sogar die letzten Dumpfbacken würden von Geistesblitzen erschlagen und zu Hirnakrobaten mutieren. Aber - so eine schöne, schlaue Pille gibt es nicht. Noch nicht. Die Unternehmen experimentieren daran herum, mit zweifelhaftem Erfolg. Zum Beispiel diesem: Eine schwäbischer Pharmahersteller hat entdeckt, dass eines seiner Antibiotika nicht nur Einzellern wie Gonokokken und Streptokokken, Salmonella typhi oder Enterobacter cloacae das Leben schwer macht. Die Firma erklärt in ihrer Werbung: "Jetzt gibt es etwas gegen linke Bazillen". Einem Weddinger Lungenarzt stockte der Atem beim Anblick des missverständlichen Textes, der eine Verbindung zwischen politischer Orientierung und Krankheitserregern nahelegt. Er beschwerte sich beim Hersteller. Die Pillendreher hatten es zwar nicht so gemeint, sondern wollten nur den fiesen Charakter der Bakterien betonen. Doch sie zeigten Einsicht: Der Spruch verschwindet. Die Kreativen brüten jetzt über einen neuen, unverfänglichen Slogan. Dumm gelaufen.

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