Von Tag zu Tag : Plakativ

Andreas Conrad findet nicht, dass das Stadtbild durch Politikerköpfe gewinnt

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Plötzlich gibt es kein Entrinnen mehr, aber so läuft das eigentlich immer: Gerade noch erfreute man sich am satten Grün der Straßenbäume, sogar die Miniermotte hatte gegen den Dauerregen diesmal keine Chance – doch da ist es mit der Harmonie des Schauens auch schon wieder vorbei, verhakt sich das Auge statt an braunem Blattwerk an anderem irritierenden Blickfang. Männer und Frauen, mal mehr, meist aber weniger prominent, blicken von Masten, Pfählen, Zäunen auf uns hernieder, ernst in die Zukunft blickend die einen, milde und hoffnungsvoll lächelnd die anderen, je nach Naturell und Wahlkampfberater.

Ja, dies sind wieder die Wochen der Politplakate, der mit resigniertem Seufzen ertragenen Aufmerksamkeitsattacken unserer potenziellen Volksvertreter, ein Ritual, das man in der Regel aus demokratischem Pflichtgefühl halbwegs klaglos hinnimmt, freilich nur mäßig interessiert, im Stillen eher genervt ob dieser aufdringlichen Pappkameraden. Knapp sieben Wochen werden sie uns jetzt begleiten, das werden wir aushalten, schon wegen der begrenzten Zeit ist das keine große Herausforderung. Hoffen wir nur, dass die Miniermotte bis dahin nicht doch noch ihre Bahnen durchs saftige Straßengrün gefressen hat.

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