Berlin : Von Tag zu Tag: Post von Hong Lü

Andreas Conrad

Das Verhältnis zwischen Politik und Presse ist nicht immer das Beste, doch bei allem Fingerhakeln und Auf-die-Finger-Klopfen gibt es gewisse Regeln des Umgangs. Manchmal erbittet sich so ein Politiker auch ein Belegexemplar und bekommt es, beispielsweise wenn der Journalist einem Organ zuarbeitet, das hierzulande kaum zu beziehen ist.

Die Nachrichten der Xinhua-Agentur aus der Volksrepublik China sind so ein Fall. Sie hat sogar in Berlin ein Büro, dort sitzt ein Herr Hong Lü und schreibt für ganz, ganz viele Chinesen über die ferne, mit nicht mal vier Millionen Einwohnern geradezu unterbevölkerte Stadt an der Spree. Chinesisches in Berlin sollte ihn schon aus patriotischen Gründen interessieren, wir dürfen also annehmen, dass ihm die Eröffnung des Chinesischen Gartens in Marzahn wie sechs Richtige im Lotto erschien. Entsprechend ausführlich wurde sein Bericht, den er, wie es sich gehört, dem sehr geehrten Herrn Dr. Michael-Andreas Butz, Sprecher des Senats von Berlin, zur gefälligen Kenntnisnahme übermittelte.

Ein spannender Text, bemerkenswert schon der Coca-Cola-Schriftzug, der sich in den Kopf des Belegtextes verirrte. Auch erfährt der Leser, dass man im Fernen Osten eine Datumsangabe offenbar mit dem Jahr beginnt, um sich dann über den Monat zum Tag vorzuarbeiten. Was nun die Reportage betrifft ... also, lesen Sie selbst.

Der gute alte Butz darf sich nun tatsächlich mal wie James Bond fühlen, der in "Der Morgen stirbt nie" vor dem alles entscheidenden Computer stand - leider mit chinesischer Tastatur. Nicht immer, und in einer Senatskanzlei erst recht nicht, geht dann eine schöne mandeläugige Gespielin zur Hand.

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