Berlin : Von Tag zu Tag: Preisfrage

Ulrich Zawatka-Gerlach

Stellen wir uns einen Weltraumbewohner vor, der zu Günther Jauch in die Sendung kommt und der stellt ihm die entscheidende Frage. Die für eine Million Mark: "Plenarsitzung im Berliner Abgeordnetenhaus. Fraktionschef K. W. sagt zu Fraktionschef K. L., der sei nicht mehr zu halten. Fraktionsmitglied U. L-B. sagt über die Kollegen K. B. und W. M., sie seien böse Buben, ein Baulöwe und dessen Herold. K. L. wiederum ruft Fraktionschef W. W. zu, er sei eine Dreckschleuder. Dann fordert Fraktionschef H. W. den Regierungschef E. D. auf, seine schützende Hand über K. L. wegzuziehen. Der hat die Hand ohenhin in der Hosentasche." Preisfrage also: Wer ist Koalition und wer ist Opposition? Wer schützt wen und wer will wen weg haben? Die Millionenfrage ist nicht zu beantworten, sagen Sie? Sie sei konstruiert und entbehre jeder inneren Logik? Mag schon sein, aber es geht hier nicht um eine erdachte Geschichte, sondern um eine wirkliche Verwirrung. Es geht um das harte politische Leben in der Hauptstadt Berlin, nicht um eine Fiktion.

Die Große Koalition gibt es schließlich immer noch, trotz der gestrigen Plenardebatte im Abgeordnetenhaus, die im Kopfe des Weltraum-Beobachters alles durcheinander bringen musste. Genau genommen haben wir in Berlin momentan: eine CDU/SPD-Koalition für die Sachfragen und eine rot-rot-grüne Koalition für die Skandalfragen. Und wir haben drei Fraktionen, die mit Fraktionschef K. L. nicht mehr können und eine vierte Fraktion, die nur so tut, als könne sie noch mit ihm. So, die Antwort müsste reichen. Die Million bitte aufs Konto, aber gegen Quittung und nicht in bar.

0 Kommentare

Neuester Kommentar