Berlin : Von Tag zu Tag: Punktlandung

Andreas Conrad

Man kann davon ausgehen, dass zur Eröffnung der Abfertigungshalle des Flughafens Tempelhof auch Musik gespielt wurde. Wohl nicht unbedingt die, zu der Daniel Barenboim heute den Taktstock heben würde. Der Geschmack in den späten Dreißigern war doch etwas eigen. Aber die famose Akustik muss schon damals aufgefallen sein und hat sich seither wiederholt aufs Schönste bestätigt. Derlei fällt einem Experten wie dem Chef der Staatsoper natürlich sofort auf, selbst wenn er dort noch nicht konzertiert haben sollte. Dass er dann seinen Finger hebt und auf die ungenutzte Potenz des Ortes verweist - wen sollte es verwundern? "Die kürzeste Verbindung zwischen zwei Punkten ist eine Gerade ...", dieser Lehrsatz der Geometrie, entnommen einer aktuellen Anzeigenkampagne, gilt auch für solch einen Gedankenblitz. Zumal wenn die Verbindung bei genauem Hinschauen immer kürzer wird.

Auch ein Taktstock ist eine Gerade. Dass der fragliche Satz dem dirigierenden Barenboim in den Mund gelegt wurde, überrascht also nicht. Auch wird jedem seine Mahnung einleuchten, Kunst könne "eben nur in einem Klima des kulturellen Austauschs gedeihen". Und nur ein Kulturbanause wird nörgeln, wenn Barenboim es begrüßt, "ab 26. März mit der Lufthansa nonstop zu den Wurzeln von Blues und Jazz" fliegen zu können, über die Verbindung Berlin-Washington. Entstanden ist die Anzeige "in Kooperation mit" Lufthansa und den Berliner Flughäfen. In einem möchte Barenboim gern dirigieren. In der Tat: Das ist die kürzeste Verbindung.

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