Von Tag zu Tag : Rauchzeichen

Andreas Conrad möchte auch nicht von Lagerfeuern umzingelt werden.

von

Man kennt das aus Indianerfilmen: Vereinzelt aufsteigender Qualm hatte noch nichts Bedrohliches, deutete nur darauf hin, dass ein unwissendes Greenhorn sein Lagerfeuer mit feuchtem Holz gefüttert hatte. Aber massenhaft Rauchsäulen am Horizont, der im Wilden Westen ja oft nur bis zur nächsten Hügelkette reichte – das roch nach heraufziehendem Ärger, nach Indianergeheul und ausgegrabenem Kriegsbeil, und nicht immer war rechtzeitig ein wackeres Fähnlein Kavalleristen zur Hand. Solche Szenen sind in Berlin nicht zu erwarten, aber ein wenig erinnert die Lage auf den hiesigen Prärien an den Wilden Westen. Messer werden hier in der Regel nur geschwungen, um Grillfleisch mundgerecht zu zerteilen, aber der Zusammenhang zwischen raucherfülltem Horizont und Stimmungstief ist mittlerweile auch auf dem Tempelhofer Feld nicht zu leugnen. Zumal die baumlose Steppe keinen Schutz vor der sengenden Berliner Sonne bietet, was die Stimmung weiter aufheizt. Im Tiergarten dagegen konnte man selbst bei Affenhitze einen kühlen Kopf bewahren. Nur auf Ruhe, wie sie jetzt dort herrscht, durfte niemand hoffen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben