Von Tag zu Tag : Regelverstoß

Christian van Lessen wundert sich über ein Bürgerbegehren in Lichtenberg

In Supermärkte geht wohl jeder, aber jeder ist dagegen, wenn vor seiner Haustür ein neuer aufmachen will. Die Leute pfeifen dann aufs weitere Angebot und fürchten den Lärm und die fast nächtliche Lieferzeit. Irgendwo ist immer eine Haustür, hinter der es sich ärgern lässt. So mancher Supermarkt-Bauherr hat schon vorm Bau die Lust verloren und das Weite gesucht. Die nach unten offene Sympathieskala für geplante Märkte ist ohnehin nur durch die Ankündigung eines Dauerrummels, eines Erotik-Centers oder eines Schweinemastbetriebes zu toppen. Eine Berliner Grundregel also lautet: Bei Projekten dieser Art immer mit dem Widerstand von Anwohnern rechnen. In Lichtenberg, das wir aufgrund vieler Märkte längst für überversorgt hielten, haben Investoren nun einen Riesensupermarkt geplant. Kein Wunder, dass dies den Widerstand von Anwohnern hervorruft. Sie starten ein Bürgerbegehren. Allerdings nicht gegen, sondern für den Markt, den der Bezirk für zu groß und zu überflüssig hält. Der Kampf für den Markt – ein kleines Wunder und – irgendwie – ein Regelverstoß.

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