Von Tag zu Tag : Reich mit Scheich

Lorenz Maroldt über eine spannende Reise von Klaus Wowereit

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Saudi-Arabien ist eine absolute Monarchie, der König steht über allen Gesetzen; Parteien und Gewerkschaften sind verboten. Es ist die Heimat von Osama bin Laden und fast aller Attentäter vom 11. September. Menschenrechte und Meinungsfreiheit spielen hier keine Rolle. Wer einer anderen Religion als dem salafitischen Islam anhängt, wird bestraft. Frauen haben einen männlichen Vormund, ohne dessen Einverständnis sie das Land nicht verlassen dürfen. Wer Alkohol trinkt, wird ausgepeitscht, wer mit Alkohol handelt, geköpft. Das kann auch Schwulen passieren: Homosexualität ist verboten. „Die arabische Halbinsel bietet Riesenchancen für Berlin“, sagt Senatssprecher Richard Meng.

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit reist bis zum 1. März im Königreich herum und führt „Kooperationsgespräche“. Wowereit sagt: „Ich freue mich, dass ich den 2010 in Berlin begonnenen Dialog mit Prinz Salman in Riad fortsetzen kann.“ Es geht um Geld, um Geld für Berlin, und es ist gut so, dass Wowereit sich darum kümmert. In Saudi- Arabien gibt es viel Geld. Die Beziehungen zwischen dem Königreich und Deutschland sind gut, waren gut, werden gut sein. Die arabische Halbinsel bietet Riesenchancen, nicht nur für Berlin.

Der Rest der arabischen Welt ist in Aufruhr, die Menschen erheben sich gegen ihre Despoten, stürzen sie, verjagen sie. Die westliche Welt versucht, sich auf die Seite der Sieger zu retten. Jahrelang wurden gute Beziehungen zu den Herrschern gepflegt. Stabile Verhältnisse sind gut fürs Geschäft; Streiks und Gewerkschaften nicht. Deshalb sind sie in Saudi-Arabien ja auch verboten.

„Es ist keine schlechte Fügung, in dieser spannenden Zeit dort zu sein“, sagt Richard von Arabien Meng, „das macht die Gespräche noch spannender.“ Noch spannender – als was? Wir werden es nicht erfahren. Die Abenteurer aus dem Abendland haben ihre Reise ins Zentrum der Zensur ohne Pressebegleitung gebucht. Die Saudis wollten das so. Wowereit sagt: „Vor dem Hintergrund der aktuellen politischen Entwicklung in der arabischen Welt werden wir mit unseren Partnern in Saudi-Arabien einen offenen Meinungsaustausch führen.“ Ganz bestimmt.

Berlins Bürgermeister muss nicht die Menschenrechtsprobleme der Welt lösen. Das haben hunderte andere, Mächtigere auch nicht geschafft. Bis vor kurzem wäre eine solche Reise zu „Kooperationsgesprächen“ auch völlig normal gewesen, Hand auf, Augen zu, so war es nun mal, so machten es alle. Aber jetzt bewegen sich die Menschen dort, sie erheben sich, und die westliche Welt bewegt sich mit, wenn auch in die andere Richtung: sie duckt sich. Aber sie stellt zugleich auch infrage, wie es war. Ob es gut so war. Ob sie nicht vielleicht doch etwas übersehen hat. Nur in Berlin, ausgerechnet, hält man fest an Prinz Egon von Riad und König Erich von Saudi-Arabien. Es ist die falsche Reise zur falschen Zeit an den falschen Ort.

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