Berlin : Von Tag zu Tag: Reinemachen

Holger Wild

Nee, sie könne jetzt nicht noch mit auf ein Bierchen kommen, sagt die Kollegin. Sie müsse aufräumen; ihre Putzfrau komme nämlich am nächsten Tag.

Klingt logisch. Schließlich kennt man die Dame, die da für Ordung im Haushalt sorgt, nicht wirklich. Was die an Schlüssen aus herumliegenden Klamotten ziehen könnte! Aha, Herrenunterwäsche! So eine ist das also. Aha, keine Herrenunterwäsche! Armes Hascherl. Und das kann die Putzfrau dann auch noch weiterzählen - wer weiß, wem. Man hat sie ja auf Empfehlung eines guten Freundes angestellt, dessen Bekannte schon sehr mit ihr zufrieden war, neulich hat man beide auf einer Party getroffen, da waren auch Kollegen, hat da nicht einer sehr interessiert zugehört, als es um die Perle ging? Dochdoch, man muss vorsichtig sein.

Vor allem aber kostet ihre Arbeit ja Geld. Wenn sie also erst ganze Zeitungsberge zur Seite räumen muss, um den Boden zu wischen, und dann die Berge wieder zurückverfrachten, um dort zu wischen, und dann stolpert sie über einen Bücherstapel und verschüttet das Wasser, das muss aufgewischt werden, dabei stößt sie gegen den Tisch, die Weingläser von neulich Abend zerscherben auf dem Parkett, jetzt kommen Handbesen und Schaufel zum Einsatz, aber die muss sie erst suchen - schon ist wieder eine Stunde rum.

Ich verstehe die Kollegin sehr gut. Ich glaube, ich mache das demnächst auch so: stelle eine Putzfrau an. Um endlich regelmäßig aufzuräumen.

Nur: wenn ich meine Hemden nicht mehr selbst bügeln muss - was tue ich dann beim Fernsehen? Geht das auch ohne Bügeln?

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