Von Tag zu Tag : Relativ effektiv

Susanne Leimstoll kapituliert vor den Zwängen polizeilicher Dienstpläne

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Ein Wohngebiet mitten in SO 36-Kreuzberg: Einbahnstraße mit Kopfsteinpflaster, parallel dazu die Grünanlage, Tempo 30-Zone. Das Überqueren der holprigen Straße ist nur in mäßigem Fußgängertempo möglich, dafür fahren die Autos aber richtig zügig durch. Sehr, sehr zeitig am Vormittag baut eine Streife gemächlich eine Anlage auf, entrollt Kabel, zieht das Dreibein unter der Kamera aus: Verkehrskontrolle. Das dauert etwa eine Stunde, die beiden Beamten sind ältere Semester, zwischendurch macht man die ein oder andere Zigarettenpause. Der Test verläuft enttäuschend, Raser riechen die Radarfalle zehn Kilometer gegen den Wind und latschen rechtzeitig auf die Bremse. Denn einer der Beamten hat die Markierung, rot-weiße Verkehrshütchen, erst mal stehen lassen. Das kann nichts werden. Eine Anwohnerin beobachtet die Szene vom Balkon aus. Die Raser nerven dort tagtäglich, aber sie nähern sich nie, niemals ganz früh an Ferien-Vormittagen. Die Frau klopft, bevor sie wegfährt, an die Scheibe des Streifenwagens. „Sie müssen abends kommen, da rauschen die hier mit hundert Sachen durch“, sagt sie zu dem Polizisten am Steuer. Und der antwortet in klarstem Sächsisch: „Tja, abor mir ham Friehschischt.“

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